Interview mit Benoît Bail von „La Confrèrie du Rhum“

Hallo Benoît,

vielen Dank, dass ich mit Dir dieses Interview führen darf. Du gehörst in der R(h)um-Szene zu den Menschen, die sehr engagiert sind und viel zur Verbreitung des R(h)ums beitragen. Du bist ebenso Gründer der „La Confrérie du Rhum“. Möchtest Du Dich und Deinen Weg zur und in der Spirituosenwelt vorstellen?

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Ich muss zugeben, dass ich ein bisschen zufällig in diese Welt hineingestolpert bin. Eigentlich war es ein Riesen-Zufall. Ich war immer schon ein großer Fan von fernen Inseln und exotischen Ländern mit viel Sonne und Meer. Wenn man dann älter wird und man auch gelegentlich ein Gläschen zu schätzen weiß, dann fragt man sich, was trinken die Leute denn in diesen Ländern? Und die Antwort war eben oft „Rum“.

Und da hat Deine Liebe zum Rum ihren Anfang genommen?

Von diesem Zeitpunkt an habe ich angefangen zu verkosten und mich fürs Thema zu interessieren. Zugleich habe ich angefangen interessante Rum-Sorten zu sammeln. Die Suche nach Menschen mit ähnlichen Interessen war dann der nächste Schritt der Entwicklung. So ist die Confrérie du Rhum eigentlich entstanden. Das ist jetzt etwas mehr als drei Jahre her, und sie zählt jetzt mehr als 14.000 Mitglieder. Das zieht dann auch professionelle Leute an, sowohl Marken, Produzenten, als auch große Händler.

Und Dein Engagement hat Dir natürlich auch eine neue Plattform geboten, oder?

Das stimmt. Ich habe die Gelegenheit bekommen, bei internationalen Jurys Mitglied zu werden, jede Menge Vorführungen zu machen und Tastings zu hosten. Und das in Städten wie Berlin, Paris oder Madrid, Luxemburg, Amsterdam, London oder Brüssel. Daneben habe ich am Anfang auch meine eigene Flavored Rum Marke rausgebracht, die „Zwazo“ hieß. Leider musste ich diese wundervolle Marke jedoch nach einem Jahr abgeben. Mir fehlte einfach die Zeit für ein solches Projekt. Allerdings habe ich anschließend eine wichtige Funktion als Brand-Ambassador für die Marke Saint James (Martinique) angenommen. Hier war ich für den Benelux Bereich zuständig, da in diesem Zeitraum der 250. Geburtstag der Marke anstand. Darüber hinaus habe ich beinahe von Anfang an bei der französischen Zeitung Rumporter und beim französischem Rhumfest mitgearbeitet.

Darf ich daraus ableiten, dass Du dich jetzt ausschließlich um die Projekte kümmerst?

In den letzten drei Jahren hat sich viel verändert. Aus meiner Liebe zum Rum ist tatsächlich eine Vollzeit-Beschäftigung geworden. Meine vielen Projekte sind nun mein Tagesgeschäft, so dass ich meine ganze Energie in diese Projekte investieren kann.

Benoît, welche Projekte würdest du gerne noch Umsetzen?

Eigentlich arbeiten wir im Moment, mit Jerry Gitany, an einem Projekt, in welchem wir fast alle Marken aus den französischen Inseln (also agricole Rums) auf allen Rumfests vertreten werden. Wir haben es bereits in London letztes Jahr versucht und es kam beim Publikum hervorragend an. Deswegen wollen wir es jetzt erneut bei den anderen Salons versuchen und den agricole Rum somit bekannter und vertrauter machen. Schließlich warten ganz neue Geschmackserlebnisse auf die Genießer.

Ist das Dein einziges Projekt in der nächsten Zeit?

Eigentlich dürfte ich das noch nicht verraten. Aber wir wollen in den nächsten Jahren ein Rumfest-Projekt auf die Beine stellen, welches alle unsere bisherigen Bemühungen in den Schatten stellt. Doch solange die Verhandlungen nicht abgeschlossen sind, kann, darf und möchte ich nichts Genaueres dazu sagen.

Sind Tastings für Dich noch eine Herausforderung? Und wie bereitest Du Dich auf so etwas vor? Welche Schwerpunkte setzt Du, wenn Du einen neuen Rum verkostest?

Also Tastings sind keine echte Herausforderung. Denn das Wort Herausforderung klingt immer negativ. Und Rum ist vieles, aber bestimmt nicht negativ. Wenn Ich mich darauf vorbereite, suche ich natürlich als erstes die Flaschen, die verkostet werden sollen und die zu dem gewählten Thema passen. Danach suche ich mir alle relevanten Informationen zu den Rumsorten und den Destillerien. Schließlich möchte ich meine Kunden bei Fragen umfassend informieren können. Das ist bei einem Tasting die eigentliche Arbeit.

Allerdings: Mein Schwerpunkt bleibt es, den Leuten zu erklären, dass nicht alle Menschen gleich riechen oder verkosten. Viele sind oft frustriert, wenn jemand etwas riecht oder schmeckt, was von einem selber so nicht wahrgenommen wird.

Gibt es bei Rum bestimmte Charaktereigenschaften, die Dir selber besonders gefallen?

Ich bin ganz offen und lass mich gerne überraschen. Ich habe keinen „Style“ lieber als ein anderer. Ich will nur überrascht werden. Sowohl junge als auch alte Rum-Sorten können immer eine neue Überraschung bieten.

Zurzeit kommt immer wieder die Frage auf, ob Zugabe von Zucker und anderen Additiven ein Problem seien. Wie denkst Du über diese Situation Benoît? Was würdest Du Dir wünschen?

Also, um ehrlich zu sein, es ist mir egal, ob Leute Zucker zufügen oder nicht. Eigentlich gibt es ja viele Leute, die süßere Rums lieber haben. Und beim Rum sollte ja für jeden Genießer etwas Passendes dabei sein. Das ist der positive Punkt am Rum. Ich möchte eigentlich nur, dass mehr Transparenz vorherrschen soll. Wenn die Hersteller die vorhandenen Additive auf den Flaschen kenntlich machen und die Konsumenten informieren, dann habe ich damit kein Problem. So kann jeder Genießer genau entscheiden, welche Flaschen er kaufen möchte. Da herrscht bei vielen Herstellern leider noch Nachholbedarf.

Mittlerweile gibt es immer mehr Stimmen für eine bessere Klassifizierung von Rum, wie von Gargano oder Seal oder Aryana (Hier nachlesen). Benoît wie sind hier Deine Ansichten?

Heute gibt es so viele verschiedene Rums und fast ebenso viele Klassifizierungen. Man braucht sich nur die Klassifizierungen von den Wettbewerben auf den verschiedenen internationalen Rumfestivals anzusehen. Die Kategorien sind NIE gleich und niemand ist sich einig, was eine bessere oder schlechtere Klassifikation sein soll.

Diese Klassifikationen von Seale und Gargano usw. sind erst einmal einfach weitere Klassifikationsmöglichkeiten. Die sind nicht schlecht und die Ideen sind gut, doch bei weitem noch nicht perfekt. Es ist kaum möglich eine Klassifizierung zu finden, mit der alle Hersteller und alle Genießer und Experten gleichermaßen zufrieden sind.

Seit einigen Jahren bist Du auch Brand Ambassador für die Marke Saint James. Wie kam es dazu und welche Aufgaben bringt dies mit sich?

Da bist Du nicht ganz richtig informiert. Ich war anlässlich des 250-jährigen Jubileums im Kader der Marke. Als Brand Ambassador ist man dafür verantwortlich, die Marke optimal zu vertreten und bei Konferenzen und Shows die Vorzüge der Marke hervorzuheben. Dies geht natürlich nur bei Marken, mit einer gewissen Tradition und einem wirklich guten Produkt.

Herzlichen Dank, Benoît, für das ausführliche Interview. Ich wünsche Dir bei Deinen vielen Projekten noch viel Erfolg in der Zukunft.

Bildquelle: Alle Bilder durch freundliche Genehmigung von The Rum Embassy.

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