Interview Nicolas Kröger – Rum Depot – Berlin

Ein Interview aus der Reihe von Menschen aus der Welt des Rums. Die Interviews werden auf unterschiedlichste Weise geführt und sollen die Menschen der Szene ein wenig mehr beleuchten. Beim Interview mit Nicolas Kröger, vom Rum Depot in Berlin, stellt man schnell fest, das hier sehr ausgiebig über die Leidenschaft zur Spirituosenwelt gesprochen wird. Das Interview wird auf Grund der Länge in mehreren Teilen veröffentlicht..

Marcus:

Hallo Nicolas Kröger, vielen Dank für die Möglichkeit zu einem Interview. Möchtest du vielleicht etwas über dich und deinen beruflichen Hintergrund und deine Zeit im Rum Depot erzählen?

Nicolas Kröger:
Hallo Marcus, ich danke dir! Freut mich, dass wir dazu die Möglichkeit gefunden haben.
Angefangen hat alles mit gerade einmal 15 Jahren. Damals bekam ich einen kleinen, kupfernen Pot-Still von meinem Großvater geschenkt. Mein Feuer wurde sofort entfacht. Ich stahl von meinen Eltern billigen Kochwein und begann diesen zu destillieren – frei nach dem Motto: learning by doing. Sehr zum Leid meiner Freunde, die die Ergebnisse probieren mussten. Mit der Zeit war ich aber in der Lage recht saubere und schmackhafte Ergebnisse zu erzielen. Aufgrund meines Alters war es mir nicht möglich meine Ausbildung als Destillateur zu beginnen, also ging ich zuerst in die Hotellerie. Im Steigenberger Hotel Treudelberg in Hamburg, machte ich meine Lehre zum Hotelfachmann. Dabei setzte ich mich sehr intensiv mit dem Thema Wein auseinander und machte meinen Sommelier. Bereits im Alter von 17 Jahren gab ich meine ersten Spirituosen-Schulungen – obwohl ich noch gar nicht legal trinken durfte.

Nach der Lehre verschlug es mich nach England, genauer gesagt nach York. Priorität war hier ganz klar Englisch lernen. Neben meiner Arbeit hinter der Bar in einem 4* Business Hotel begann ich eine kleine Schwarzbrennerei zu betreiben. Die Anschaffung von Destillierapparaten war deutlich einfacher. Meine Mitbewohner nutzte ich als Vertrieb und innerhalb kürzester Zeit war mein Nicolas Kröger Selbstgebrannter auf jeder Studentenparty zu finden. Ich verkaufte soviel, dass ich kurz mit dem Gedanken spielte meine Arbeit im Hotel zu schmeißen, um mehr brennen zu können.
Ziemlich zeitgleich wurde ich dann aber von dem Ritz Hotel in London abgeworben. Dort hatte ich das große Glück an der Seite von Harry Glockler (heute Beckett´s Kopf) zu arbeiten, was meine Arbeitsweise sehr prägte. Parallel spielte ich ein wenig den Markenbotschafter für die “SMWS” – Scotch Malt Whisky Society.

Anschließend ging die Reise für mich auf die Malediven, wo ich für das Luxus-Resort “One & Only” den Barkonzepten frischen Wind einhauchte und das Team darauf trainierte.

Um meine Serviceleistung zu perfektionieren absolvierte ich die Butler Schule in Kapstadt, Süd Afrika. Tatsächlich plagte mich eines Tages die Sehnsucht nach dem guten, alten Deutschland. Also ging ich nach Berlin, wo ich Barchef der Salut! Bar wurde und anschließend in der Bar Lebensstern arbeitete.

Seit ca. zwei Jahren bin ich nun im Rum-Depot. Im Dezember 2015 hat mir dann Dirk sogar das Geschäft übertragen, welches ich nun zusammen mit meinem Kollegen Ismail Yayla betreibe. Isi befindet sich bereits seit dem Lebensstern an meiner Seite. Im Sommer habe ich sogar meine eigene kleine Spirituosenmarke gegründet, die “N. Kröger fine Spirits”.
Zusammengefasst habe ich seit meinem Eintritt in das Rum-Depot meinen Jugendtraum erfüllt: Bei Verkostungen und Seminaren kann ich mein Wissen, meine Leidenschaft weitergeben und kreiere Spirituosen nach meiner persönlich Vorstellung – besser geht’s nicht!

Marcus:
Deine Vitae ist ja wirklich voller Facetten und macht neugierig auf mehr! Vielleicht magst Du mir erzählen wie der Übergang vom Selbstgebrannten über den Whisky und sogar zum Gin gekommen ist. Was reizt “Nicolas Kröger” an den jeweiligen Spirituosen?

Nicolas Kröger:
Durch das Erlernen der Destillation wurde natürlich meine Neugier geweckt, was es denn noch so schönes gibt. Deutschland hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht auf dem Zettel was hochwertige Destillate angeht (heute ist es genau anders herum). Meine Mutter ist Französin und jeden Sommer, wenn wir die Familie besuchten, wurde die Aperitif/ Digestif-Kultur zelebriert. Der Genuss von “Alkohol” hat in unserem Nachbarland einen ganz anderen Stellenwert. Also setzte ich mich mit den französischen Spirituosen auseinander und verkostete was mir in die Finger kam. Cognac fand ich von Anfang an ziemlich langweilig, recht eindimensional. Deutlich spannender war für mich sein kleiner, älterer Bruder “Armagnac”. Deutlich Charakterstärker und ein super Preis- Leistungsverhältnis. Eine immer noch völlig unterschätzte Spirituose. Später habe ich dann auch mein “Diplome de Connaisseur en Armagnac” gemacht. Allgemein habe ich in der Zeit so ziemlich jede Spirituosenkategorie ein wenig angekratzt.
Neben meiner Wohnung in York war ein Geschäft für Braubedarf und Destillierapparaten. Ich steigerte mich sehr schnell rein und schnell wurde aus ein paar Testläufen eine kleine Produktionsstätte. Um meine Experimente zu finanzieren fing ich an Zucker zu fermentieren & destillieren. Dieser sehr saubere Brand diente auch als Neutralalkohol für meine Geiste. Diesen habe ich dann an meine Mitbewohner verkauft und die haben es an ihre Freunde verkauft, usw. Nach ca. drei Monaten war auf jeder Studentenparty mein Schnaps zu finden.

Mit dem Whisky ging alles sehr schnell, sobald ich auf der Insel lebte. Nach gerade mal einem Monat in York unternahm ich meine erste Reise nach Schottland – und war sofort verliebt in das Land, die Menschen & natürlich den Whisky. In dem nächsten Jahr folgten 30 Destillerien-Besuche. Zudem öffnete meine Arbeit im Ritz etliche Türen, was meine Weiterentwicklung deutlich vorantrieb. Durch mein freches, provokantes Mundwerk wurde die “SMWS” auf mich aufmerksam und es begann eine sehr schöne Zusammenarbeit.

Außerdem durfte ich im Ritz mit großartigen Someliers zusammenarbeiten. 1,5 Jahre setzte ich mich intensivst mit Champagner auseinander – was für eine tolle Zeit!
Erst in der Bar Lebensstern, die damals die größte Rum-Auswahl der Welt hatte, wurde mein Interesse für Rum leicht geweckt. Zeitgleich ging mir die Whiskyindustrie auf die Nerven. Die Qualitäten wurden immer schlechter und die Preise gingen in die Höhe. Ich war nicht nur genervt, ich war auch sensorisch gelangweilt.

Sobald ich dann im Rum-Depot anfing war es um mich geschehen! Mit dem Rum habe ich nun endlich meine absolute Traum-Spirituose gefunden. Rum wird immer noch völlig unterschätzt und ist mit seinen 16.000 Sorten die Vielfältigste überhaut – mit Abstand! Außerdem hatte ich das Privileg mit Dirk Becker zusammen zu arbeiten, wodurch ich meine sensorischen Fähigkeiten nochmal deutlich verbessern konnte. Dirk ist bis heute der beste Sensoriker, der mir in der Welt der Spirituosen begegnet ist.

Gin wiederum begleitet mich schon von Anfang an – war unter den klaren Spirituosen immer ein treuer Begleiter und meine Lieblings-Mix-Spirituose. Da ist aber nochmal ein anderes Thema.

Marcus:
Du hast selber verschiedene Rums und einen Gin kreiert. Welche Geschichte steckt hinter der Tante Hilde und wie kam es zum Kakao-Pflaumen Mix. Beim Gin gehst Du den Weg “back to the roots”, magst Du das ein wenig erklären?

Nicolas Kröger:
Ja genau. Das sind alles Produkte, die mir während meiner Zeit an der Bar gefehlt haben.
Während meiner Zeit an der Bar war ich nie wirklich mit der Qualität der weißen Rum-Sorten zufrieden. Es fehlte an Körper, Geschmack & Komplexität – oder sie waren nicht bezahlbar. Preis/Leistung steht bei mir generell an oberster Stelle!

Auf dem German Rum Fest 2013 stellte Herr Schulze vom Siedlerhof einen Geist aus Kakao her – allerdings diente Rum als Basis und kein Neutralalkohol. Dieser Geist hat mich sehr begeistert und mir war klar, dass man daraus mehr machen kann.

Als Basis für den “N. Kröger Platinum Rum” dient meine eigene Rum-Cuvée, die ich aus Panama, Jamaica, Trinidad und Barbados fertige. Parallel wird ein Geist aus Pflaumen und Kakao destilliert, in kleinen 80l Fässern ausgebaut und in geringen Mengen (ca. 4%) mit dem Rum vermählt. Das Ergebnis ist ein (fast) weißer Rum mit einer angenehmen Kakao-Pflaumen-Note. Ein Geschmacksbild, welches es vorher so noch nicht gab. Abgefüllt bei 42,2% bietet er auch genug Körper und eignet sich hervorragend zum Mixen.
Andauernd fragten die Gäste nach etwas mit Erdbeeren. in anständiger Qualität waren diese aber nur während der kurzen Saison zu kriegen, die Qualität aber nicht beständig, sehr teuer und viel zu leicht verderblich. Mein Bruder wünschte sich zum Geburtstag eine kleine Cocktailparty und da viele Damen anwesend waren, wollte er unbedingt etwas mit Erdbeeren. Also machte ich mich an die Arbeit und entwickelte für diesen Anlass die “Tante Hilde”. Meine langjährige Erfahrung der Destillation und Mazeration kam mir hier zu Gute. Ich habe ein eigenes Mazerationsverfahren entwickelt – wodurch die Erdbeere in seiner natürlich Aromen Struktur erhalten bleibt. Alles ohne Zusatzstoffe, Zucker und sonstiger Müll – nur Rum und viele, viele Erdbeeren! 

Der Gin-Markt wird ja zurzeit von immer neuen Produkten überflutet. Das ganze gerät ein wenig außer Kontrolle. Die Meisten davon sind auch immer blumiger, kräutig und floraler. Ich habe mich dann doch dazu entschieden einen Gin zu machen, einfach um gegen diesen Trend anzuschwimmen. Wie der selbstbewusste Name H.G.S.B. (How Gin Should Be) schon sagt, geht dieser zum klassischen Stiel zurück und ist sehr Wacholder lastig – diese kommt aber in einer unglaublichen frischen Note um die Ecke.
Meine kleine Marke “N. Kröger fine Spirits” steckt noch total in den Kinderschuhen und ich bin schon sehr gespannt auf die Zukunft!

Marcus:
In den nächsten Wochen gibt es immer wieder weitere Auszüge aus dem Interview mit Nicolas Kröger!

Nicolas Kröger Rums – N.Kröger:

Nicht vorrätig
19,90 

Grundpreis 39,80  / Liter

17,90 

Grundpreis 25,57  / Liter

Nicht vorrätig
15,90 

Grundpreis 31,80  / Liter

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